5 Tipps für ein effizientes Meeting: So werden Besprechungen produktiver
Warum so viele Meetings ineffizient sind
Kaum eine Klage höre ich so häufig, wie die, dass heute mal wieder unnötig viel Zeit für sinnlose Meetings draufgegangen ist. Von mehrstündigen Sitzungen ist da die Rede, von einer großen Gruppe, die ergebnislos auseinandergeht. Die gute Nachricht ist: Das muss nicht so sein! Kleine Stellschrauben führen häufig zu spürbaren Verbesserungen.
Tipp 1: Zeitvorgabe und Agenda
Es ist immer hilfreich, sich einen Wecker zu stellen und sich dann auch daran zu halten. Ich hatte mal mit einer Führungskraft zu tun, die hatte gehört, dass man sich im Meeting eine Uhr stellen kann, bei der man sieht, wie die Zeit vergeht (neudeutsch auch timeboxing genannt). Als der Wecker geklingelt hat, hat die Führungskraft ihn ausgestellt und geschlagene 90 Minuten weitergesprochen. Ich muss sicher nicht erwähnen, dass dieses Meeting nicht sehr produktiv war. Ich empfehle für den Anfang 30-60 Minuten und dann muss man sich herantasten.
Gleichzeitig muss die Meeting-Agenda zur geplanten Zeit passen. Da erfahrungsgemäß immer die ersten Punkte am intensivsten diskutiert werden, würde ich die Agenda nach Deadlines sortieren, um sicher zu gehen, dass die zeitkritischen Sachen auch sicher besprochen werden.
Tipp 2: Ziele und Entscheidungen
Die wichtigste Frage, die man sich vor (!) dem Meeting stellen sollte, ist die Frage nach dem Ziel. Was will ich mit diesem Meeting erreichen? Was ist mein Anliegen? Wenn ich kein Ziel habe, kann ich es unmöglich erreichen.
Dazu gehört auch die Frage, ob in diesem Meeting eine Entscheidung getroffen werden sollte. Ist dies der Fall, empfiehlt es sich, im Vorfeld schon die Meinungen der Teilnehmenden einzuholen, um herauszufinden, wo die Konfliktfelder sind, wo noch Informationen fehlen, welche Expertenmeinung man noch einholen sollte und welchen Preis die Zustimmung zu einer Entscheidung hat. Wenn man erst im Meeting feststellt, dass kein Konsens zu erreichen ist, stehen anschließend die Räder still.
Tipp 3: Personengruppe
Ein Meeting sollte im besten Fall (sofern es sich nicht um eine reine Informationsweitergabe handelt) ein Workshop sein. Gemeinsam wird an einem Thema gearbeitet, man kommt ins Tun und geht mit einem Ergebnis raus. Es ist eine Binsenweisheit, dass dies schwieriger wird, je mehr Personen im Meeting sitzen. Deswegen sollte man sich gut überlegen, wer überhaupt die Expertise oder die Befugnisse hat, an diesem Meeting mitwirken zu können. Ich stelle mir gern die Frage, ob die Menschen, die jetzt hier im Meeting sitzen, etwas Produktiveres machen würden, wenn sie jetzt nicht in diesem Meeting sitzen würden.
Außerdem bin ich kein Fan davon, Personen nur zum Hören in ein Meeting einzuladen. Erfahrungsgemäß führt dies bei den Beteiligten zu einem „Blinden-Passagier-Gefühl“: Man ist zwar irgendwie dabei, gehört aber auch nicht dazu. Sollte das Meeting digital ablaufen, wird diese Personengruppe ganz sicher nebenbei etwas anderes machen und keins von beiden richtig. Personen, die nur aus Informationsgründen im Meeting sitzen würden, können auch einfach das Protokoll lesen (s. Tipp 5).
Tipp 4: Bei der Sache bleiben
Vielleicht kennen Sie das noch von früher von der Uni. Am Ende eines Vortrags gab es immer mindestens eine Person, die, anstatt eine Frage zu stellen, ein ausführliches Co-Referat vom Stapel laufen ließ. In Meetings ist es oft genauso. Eine Person kann der Versuchung nicht widerstehen, eine Geschichte aus seinem umfangreichen Erfahrungsschatz zu erzählen oder die Diskussion auf Themen zu lenken, von denen er (gefühlt) mehr versteht als die anderen. Mittlerweile habe ich mir angewöhnt, diese Ausführungen freundlich und klar mit einer Ich-Botschaft zu stoppen, z.B. so „Sie möchten jetzt gern über xy sprechen und ich habe die Befürchtung, dass wir uns damit zu weit vom Thema entfernen.“
Tipp 5: Kurzes Ergebnisprotokoll
Viele Meetings sind von langen und wenig strukturierten PowerPoint Folien geprägt. Am Ende wird die Präsentation herumgeschickt und niemand wird je wieder einen Blick darauf werfen. Mit Scrum wurde es interaktiver, wir nutzen jetzt Flipcharts, Pinwände, Post-Its und bunte Punkte. Auch das führt leider häufig dazu, dass die erarbeiteten Ergebnisse als Fotoprotokoll herumgeschickt werden und schnurstracks im Nirvana verschwinden.
Ich bin da altmodisch. Ich mag kurze Ergebnisprotokolle (höchstens eine Seite), die festhalten, was beschlossen oder erarbeitet wurde, wie es weitergeht und wer dafür verantwortlich ist. Im Folgemeeting kann man dann zu Beginn oder am Schluss nochmal kurz drauf schauen und sehen, ob alles erledigt worden ist.
Kein Mensch wird sich zwei Wochen später noch an die genauen Inhalte des Meetings erinnern. Aber wenn im Protokoll steht „Innerhalb der nächsten zwei Wochen evaluiert Horst drei verschiedene Software-Anbieter und gibt im nächsten Meeting eine eindeutige Empfehlung ab“, dann ist völlig klar, was als nächstes passieren muss.
Weiterer Vorteil eines kurzen Ergebnisprotokolls: Wenn ich während des Meetings schon weiß, dass ich am Ende einen strukturierten Onepager schreiben muss, achte ich schon im Verlauf des Treffens darauf, dass alle beim Thema bleiben und Ergebnisse entstehen.
Verschwenden Sie keine Zeit mehr
Ein Meeting ist kein Selbstzweck, es sollte immer eine Funktion, ein Ziel und ein Ergebnis haben und die vorher festlegte Zeit nicht überschreiten. Wenn Sie bei der Meetingplanung feststellen, dass Funktion und Ziel unklar oder nicht vorhanden sind, dann lassen Sie es am besten einfach sein mit der Besprechung. Denn dann können nicht nur alle anderen ihre Zeit produktiver nutzen, sondern Sie auch!





