Mit Kindern unterwegs... in Edinburgh
Edinburgh ist eine großartige Stadt, die man natürlich auch ohne Kinder sehr gut besuchen kann. Sie bietet aber auch eine Reihe von Besonderheiten, die sie für einen Besuch mit Kindern sehr geeignet macht.
Museen
Grundsätzlich ist es natürlich eine sehr individuelle Frage, wieviel Geduld die eigenen Kinder für Museen haben. Wir haben das Edinburgh Castle besichtigt, das ging ganz gut. Um Punkt 13Uhr wird dort jeden Tag ein Schuss aus einer echten Kanone abgefeuert, das war ein schlagendes Argument für den Besuch. Ich würde dringend empfehlen, die Tickets für das Castle vorzubuchen, da die Ticketmenge pro Tag limitiert ist und gefühlt alle Tourist:innen diese Attraktion besuchen wollen.
Auch spannend ist das „Dynamic Earth“, ein Wissenschaftsmuseum, das die Entstehung der Erde in einer Art Zeitreise erfahrbar macht. Mir hat es gut gefallen, wenngleich wir natürlich viel übersetzen mussten. Kinder, die schon ein bisschen Englisch können, haben entsprechend mehr von diesem Besuch.
Sehr empfohlen wurde uns auch das National Museum of Scotland, das haben wir aber nicht mehr geschafft.
Parks und Wanderungen
Das tolle an Edinburgh ist, dass die Natur quasi am Innenstadtrand anfängt und überall in der Stadt kleinere und größere Parks sind. Hinter der Universität mit schicken historischen Gebäuden tut sich „The Meadows“ auf mit weiten Rasenflächen und einem großen Spielplatz hinter den Tennisplätzen. Auch der botanische Garten ist sehr groß und schön.
Die Stadt wurde auf und zwischen sieben Vulkanhügeln gebaut, die man theoretisch alle besteigen könnte. Die meisten (wir auch) belassen es aber bei zweien. Wir haben zweimal den Calton Hill bestiegen, von dem man einen schönen Blick über die Stadt und den Firth of Forth hat, es dauert auch nicht sehr lange, bis man oben ist. Mein persönliches Highlight war der Aufstieg zu Arthur’s Seat, der im Holyrood Park liegt mit einer Höhe von immerhin 251m. Am Anfang ist es noch ein Spaziergang mit ein paar Höhenmetern, am Ende muss man über Felsen klettern. Ich persönlich habe null Erfahrung mit Bergsteigen und konnte es gut schaffen. Den Kindern hat es viel Spaß gemacht. Ich würde nur empfehlen, sportliche Schuhe zu tragen. Mit Flip Flops oder Absatzschuhen ist der Weg doch recht beschwerlich und vermutlich auch gefährlich.

Ausflüge
Wir haben uns gegen ein Mietauto entschieden und haben Ausflüge mit dem Zug gemacht. Das war für uns genau das richtige, weil viele schöne Ziele mit dem Zug sehr leicht zu erreichen sind und es auch weniger stressig war als sich mit dem Linksverkehr zu beschäftigen.
Schifffahrt auf dem Firth of Forth zur Insel Inchcomb
Wir sind mit dem Zug nach South Queensferry gefahren (knapp 30min) und von dort mit einem Ausflugsschiff zur Insel Inchcomb. Es gibt die Variante mit Aufenthalt auf der Insel und ohne Aufenthalt. Auf der Insel gibt es eine mittelalterliche Klosterruine zu besichtigen, die als die Besterhaltenste von ganz Schottland gilt, außerdem die Reste der Verteidigungsanlagen aus den Weltkriegen. Ich fand es interessant und die Kinder konnten spielen und den Turm besteigen. Ein Highlight für uns alle war natürlich noch, dass wir Robben in ihrer natürlichen Umgebung sehen konnten. Dafür muss man allerdings ein bisschen Glück haben, so viele gibt es davon nämlich nicht.

North Berwick
North Berwick (ausgesprochen wird es North Berrick) ist ein reizender kleiner Ort an der Küste, der ca. 30 Zugminuten von Edinburgh entfernt liegt. Man kann dort am weiten Sandstrand spielen und den North Berwick Law, einen 187m hohen Vulkankegel besteigen, von dem man eine hervorragende Sicht weit ins Land und auf die See hat. Als Exil-Kielerin und häufige Ostsee-Touristin hat mich das Spiel von Ebbe und Flut, was ich so noch nicht kannte, sehr fasziniert. Wenn das Wasser weg ist, gibt es an dem kleinen Hafen eine Steinlandschaft zu entdecken, die später unter dem Wasser verschwindet. Zum Essen gibt es eine große Auswahl an Pubs und Cafés. Wir waren im „The Lamb Bar and Bistro“ und waren sehr zufrieden.


St. Andrews
St. Andrews ist eine sehr hübsche kleine Stadt, die vor allem für ihre Universität berühmt ist, die zu den ältesten in Großbritannien gehört und immer wieder auf den vordersten Plätzen der Rankings landet. Die Lage direkt am Meer macht es natürlich zusätzlich attraktiv. Wir haben uns durch die Straßen treiben lassen und das historische Flair bewundert. Vermutlich könnte man hier aus dem Stand einen Rosamunde Pilcher-Film drehen ohne etwas ändern zu müssen. Die Burgruinen auf den Klippen über dem Meer waren sehr beeindruckend und über die Osterzeit gab es praktischerweise für Kinder eine Schafsuche, d.h. die Jungs waren sehr motiviert, die gesamte Ruine zu durchsuchen und wurden am Ende auch mit einem Schokohasen belohnt.
Der Weg nach St. Andrews ist nicht ganz direkt. Man fährt von Edinburgh ungefähr eine Stunde mit dem Zug nach Leuchars. Dort fährt im Viertelstundentakt ein Bus weiter nach St. Andrews, was auch nochmal ungefähr zehn Minuten dauert. Es ist eine sehr idyllische Zugstrecke, die meistens direkt am Meer entlangführt und auch über die rote Stahlkonstruktion der Forth Bridge führt. Fun fact, falls die Kinder Minecraft spielen: Im Internet gibt es Anleitungen dafür, wie dieser Koloss von Brücke in Minecraft nachgebaut werden kann.


Essen und Schlafen
In Edinburgh gibt es natürlich an jeder Ecke Restaurants und Cafés. Aus vollstem Herzen empfehlen kann ich den Pub Brunswick Book Club (113 Brunswick Street, Edinburgh, EH7 5HR) wo wir nach einer langen Reise mit hängenden Mägen zufällig gelandet sind und einen großartigen Start in der Stadt hatten und das Café Renroc (89-91 Montgomery St, Edinburgh EH7 5HZ). Dort gibt es leckeren Kuchen, auf der heißen Schokolade schwimmen reichlich Marshmallows und irgendwie ist dort einfach alles so, wie es sein soll.
Gewohnt haben wir in einer Airbnb-Wohnung am Huntingdon Place, was sich alles großer Glückstreffer herausgestellt hat. Die Straße ist eine superruhige Nebenstraße, der Leith Walk mit Supermärkten und Restaurants war innerhalb von fünf Minuten erreichbar und die allermeisten Sehenswürdigkeiten waren innerhalb einer 20minütigen Kinder-Laufdistanz. Bus- und Straßenbahnhaltestellen sind auch quasi vor der Tür gewesen, wobei wir das nicht gebraucht haben. Für uns war es eine gute Mischung aus Ruhe und Nähe zur Innenstadt.
Wetter
In Schottland ist es kälter als bei uns, Anfang April haben wir Winterjacken gebraucht. Ich würde unbedingt beim Packen in die Vorhersage schauen für eine grobe Orientierung, vor Ort war das Wetter dann in der Regel besser als angesagt. Es regnet häufig, aber nicht lange. Wasserfeste Schuhe und Windproof-Jacken sollte man immer dabei haben und sich darauf einstellen, dass das Wetter öfter während des Tages umschlägt (in alle Richtungen). Es gilt die bekannte norddeutsche Weisheit: Es gibt kein schlechtes Wetter, es gibt nur unpassende Kleidung.
Insgesamt war Edinburgh ein unerwartet tolles Familien-Reiseziel. Man hat keine langen Wege, Kultur und Historie sieht man überall und Natur gibt es auch an allen Ecken. Es gibt viel zu Erleben und gleichzeitig reichlich Gelegenheit zum Ausruhen. Wir werden auf jeden Fall nochmal hinfahren.







